Berliner Kurier  

Pasta Opera


Julia Regehr Geheimtipps verrät man Normalerweise nicht. Doch manchmal sind Ausnahmen erlaubt: Das "Pasta e Opera" genannte Festmahl in der Vineria Franzotti (Kreuzbergstraße 71) gibt es nämlich erst seit einigen Wochen. Und noch weiß nicht jeder Genießer dieser Stadt, dass dort mehr geboten wird als Nudeln und Opernmusik.

Um einem Abend in der Vineria am Kreuzberg zu beschreiben, stellt man am besten ein italienisches Familienfest vor: Alle haben Zeit, niemand sitzt separat, getafelt wird gemeinsam an langen Tischen - und zwar mit Genuss.

Schon die Aufzählung der Vorspeisen klingt wie die Ouvertüre zu einer italienischen Oper: Panzanella, bresaolae finocchi, carciofi, pomodoro, Olive, frutti di mare. Doch es wird nicht zu viel versprochen: Kaum ist der Geschmacksinn angeregt, wird das Gehör als erster Zwischengang von vier erstklassigen Sängerinnen und Sängern mit Appetithappen von Rossini (Barbier von Sevilla, Italienerin in Algier) und Verdi (La Traviata) verwöhnt.

Gastgeberin luliaRegehr(28) hat mit dem Konzept schon seit Jahren im " Oxymoron" (Mitte, Rosenthaler Straße 40/41) Erfolg: "Dort ist es inzwischen ein Selbstläufer ." Nun kommt es leicht verändert nach Kreuzberg: "Ich wollte es noch familiärer, enger, richtig italienisch eben." Diese Atmosphäre wird durch den Platzmangel auf dem Tisch geradezu heraufbeschworen: Teller, Schüsseln sowie auf dem Tisch als Dekoration verteilte Rätsel und Gedichte müssen weitergereicht werden - man lernt seine Nachbarn also zwangsläufig besser kennen.

Drei Stunden sollte der Besucher für das Festmahl schon einräumen, denn die Attacke auf die Sinne nimmt kein Ende. Elegant moderiert die charmante Julia Regehr einen Höhepunkt nach dem anderen an: "Es wird hingebungsvoll gesungen und in Szene gesetzt, was man die Opera des Lebens nennt. Liebe und Leidenschaft, Irrsal, Wirrsal und Schicksal..." Und wenn Don Giovanni dann seine schmachtenden Blicke auf die Damen wirft und mit den Augen flirtet, als täte er nie etwas anderes, sind die Gäste längst gefangen von der Schönheit des Augenblicks.

Wie das Motto des Abends verspricht, werden als zweiter und dritter Gang Pasta serviert:
Zunächst leicht scharfe, unglaublich würzige Sepia-Spaghetti mit Schwertfisch Tomate und Chili später feine hausgemachte Bandnudeln (Pappardelle) mit Perlhuhn, Steinpilzen und Granatapfel. Übrigens Zurückhaltung lohnt sich, denn das abschließend servierte Tiramisu zu verschmähen, käme einer Sünde gleich. Dass es zu all diesen Köstlichkeiten erstklassige Weine gibt, ist zu erwähnen fast überflüssig.

80 Mark nimmt Julia Regehr für das Essen - nicht billig also aber jede Mark wert. Denn so viel Lebensart bekommt man nicht überall und vor allem nicht jeden Tag geboten. Wann der nächste "Pasta e Opera" Abend stattfindet, erfahren Sie unter 030/788 66 44

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